AT Gayatri Chakravorty Spivak: „Kritik der postkolonialen Vernunft“

Autonomes Tutorium der feministischen philosoph_innen frankfurt

Termine: 11.01.2019, 20.01.2019, 01.02.2019, 09.02.2019, 10.02.2019

Als feministisch-postkoloniale Theoretikerin verbindet Spivak Marxismus und dekonstruktive Praxis in ihrer Analyse der heutigen Effekte des Kolonialismus. Dabei stellt ihr Werk stets eine Kritik und Erweiterung der von ihr verwendeten theoretischen Strömungen dar: So nutzt sie Derridas Dekonstruktion um den kolonialen Diskurs zu destabilisieren und ergänzt Marx‘ Analyse um die Rolle der Körper von Frauen im Globalen Süden als zentraler Ort der Wertschöpfung des Globalen Nordens.

In „Kritik der postkolonialen Vernunft“ von 1999 befasst sich Spivak mit den kolonialen Spuren in der europäischen Philosophie, Literatur, Geschichte und Kultur. Dabei liegt ein Schwerpunkt des Buches in der Auseinandersetzung vor allem mit der deutschen Philosophie. Spivak bietet eine alternative Lesart der Philosophien Kants, Hegels und Marx‘ an, die im Curriculum des Philosophiestudiums für gewöhnlich wenig bis gar nicht rezipiert wird. Deswegen wird sich das Autonome Tutorium besonders mit ihrer postkolonialen und feministischen Perspektive auf diesen Teil des Kanons beschäftigen, um diese Perspektive anschließend in den philosophischen Diskurs der Goethe-Uni einbringen zu können. Außerdem wollen wir uns ihr Konzept der Komplizenschaft erarbeiten und uns kritisch mit der Rolle westlicher Wissenschaft in globalen Verhältnissen befassen.

„Kritik der postkolonialen Vernunft“ ist ein zentrales Buch in Spivaks Werk, welches einen generellen Einblick in ihr Denken gibt. Zudem ermöglicht eine Lektüre, auch ihr restliches Werk besser zu verstehen. In diesem Buch wird überdies ihre eigene Position als einflussreiche Mitbegründerin des Fachs der Postkolonialen Studien noch einmal umfassend reflektiert. Eine solche Lektüre gestaltet sich jedoch nicht gerade einfach: Spivaks Texte sind dicht, voraussetzungsreich und fordern die Leser*innen heraus. Daher bietet es sich beim Lesen von Spivaks Werken besonders an, gemeinsam zu lesen und zu diskutieren, und sich mit verschiedenem Vorwissen zu ergänzen. Dazu soll dieses Tutorium den Raum geben.