Zur Diskussion über die Care-Revolution

Gabriele Winker: Soziale Reproduktion in der Krise – Care-Revolution als Perspektive, 2011

„Zeit und Ressourcen für Selbstsorge ebenso wie für die Sorge um andere sind für die Verwirklichung menschlicher Lebensbedürfnisse und -interessen von grundlegender Bedeutung. Das kapitalistische System in der derzeit vorherrschenden neoliberalen Form beschränkt jedoch mit entgrenzter und prekärer Lohnarbeit die Zeit für die existenziell wichtige Sorgearbeit. Gleichzeitig reduziert der Staat Aufwendungen in den Bereichen der Bildung, Gesundheit und Pflege sowie diverser sozialer Dienste und zerstört damit die existenzielle Absicherung und soziale Förderung menschlichen Lebens. Ich spreche deswegen von einer Krise sozialer Reproduktion. Abschnitt 1 verdeutlicht, wie in einem kapitalistischen System die warenförmige Produktion von Gütern und Dienstleistungen mit der Reproduktionssphäre verknüpft ist und warum eine umfassende Existenzsicherung unter diesen gesellschaftlichen Bedingungen schwer zu realisieren ist. Abschnitt 2 zeigt, welche ökonomische Bedeutung Care Tätigkeiten in privatwirtschaftlichen, staatlichen und familiären Bereichen haben, wie die derzeitige Familienpolitik als Wirtschaftspolitik betrieben wird und wie unter diesen schwierigen Bedingungen Menschen mit Sorgeverpflichtungen agieren. Dies ist Grundlage für den im Abschnitt 3 geforderten politischen Paradigmenwechsel, eine Care Revolution.“
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